
11.10.2026
Kollegen in Briefmarkengröße: Warum hybride Teams einen gemeinsamen Ort brauchen
Was fehlt Teams, die sich vor allem aus dem Videocall kennen?
Im Videocall wird Arbeit erledigt, aber kaum Beziehung gebaut, denn Beziehung entsteht meistens nebenbei.
Videokonferenzen sind wunderbar für Tagesordnungen. Kachel an, Bildschirm teilen, nächster Punkt, Kachel aus. Was dabei verloren geht, ist das Nebenbei: der halbe Satz an der Kaffeemaschine, das Stirnrunzeln, das man im Raum bemerkt und in der Kachel übersieht, der Moment, in dem jemand einer anderen hilft, ohne dass es je in einem Protokoll steht.
Aus genau diesen Kleinigkeiten wird Vertrauen. Nicht aus dem Organigramm, nicht aus dem Teams-Kanal und leider auch nicht aus dem dritten Daumen-hoch-Emoji unter einer Statusmeldung.
Gesetzt den Fall, Sie führen ein Team, das seit zwei Jahren überwiegend remote arbeitet. Fragen Sie sich einmal: Wer in Ihrem Team würde wen anrufen, wenn er nicht weiterkommt? Und wer würde lieber zwei Tage allein kämpfen, weil der Anruf sich anfühlt wie eine Störung? Die Antwort zeigt Ihnen ziemlich genau, wo die Kacheln dicht sind.
Warum reicht ein gemeinsames Abendessen beim Jahrestreffen nicht?
Beim Essen sitzt jeder neben denen, die er ohnehin kennt, und das Team reproduziert sein Organigramm, nur mit Weinglas.
Wenn hybride Teams sich einmal im Jahr leibhaftig treffen, landet das Programm erstaunlich oft am Esstisch. Nichts gegen gutes Essen, ich bin der Letzte, der da widerspricht. Aber am Tisch passiert etwas Vorhersehbares: Die Vertriebsleute sitzen beim Vertrieb, die Entwicklung bei der Entwicklung, und wer neu ist, sitzt dort, wo noch ein Stuhl frei war.
Dazu kommt: Ein Abendessen ist ein Erlebnis zum Konsumieren, nicht zum Gestalten. Wenn das Geschirr abgewaschen ist, denkt keiner mehr drüber nach.
Was passiert, wenn ein hybrides Team gemeinsam an einem Bild arbeitet?
Gemeinsames Malen zwingt Menschen freundlich dazu, sich abzustimmen, und genau dabei lernen sie einander kennen.
Stellen Sie sich einen Raum vor, in dem Leinwände stehen, die deutlich größer sind als jeder Monitor. Farbeimer, Rollen, Pinsel. Und, das ist kein Versehen, nicht genug dicke Pinsel für alle. Wer einen braucht, muss fragen. Wer gerade einen hat, muss teilen. Kooperation ist an diesem Tag keine Folie, sondern eine logistische Notwendigkeit.
Plötzlich stehen Menschen Schulter an Schulter, die sich bisher nur als Briefmarke kannten. Sie müssen klären, wer wo malt, wie das Blau von links in das Gelb von rechts übergeht und wer sich traut, als Erster in die leere Fläche zu gehen. Die Gespräche entstehen nebenbei, zuerst über die Farbe und irgendwann, ohne dass es jemand angekündigt hätte, über die Arbeit.
Das hat übrigens einen ganz handfesten Grund: Menschen, die gleichzeitig und im selben Takt etwas mit den Händen tun, fühlen sich einander näher. Was dahintersteckt, habe ich im Artikel Synchronität und Vertrauen beschrieben.
Und ja, man erfährt endlich, wie groß die Kolleginnen und Kollegen sind.
Was bleibt, wenn alle wieder im Homeoffice sitzen?
Es bleibt ein gemeinsames Werk, das man anschauen kann, und eine gemeinsame Geschichte, die man erzählen kann.
Am Ende des Tages steht ein Kunstwerk, an dem alle mitgemalt haben. Jeder findet darin seine Ecke wieder, und keiner hätte das Ganze allein hinbekommen. Das Bild hängt danach im Büro, und auch wer nur zweimal im Monat dort ist, läuft daran vorbei.
Kleiner Tipp am Rande: Ein Foto davon taugt erstaunlich gut als gemeinsamer Hintergrund im nächsten Videocall. Dann sitzen wieder alle in ihren Kacheln, aber wenigstens vor demselben Bild.
Kann ein Teamevent die Zusammenarbeit in hybriden Teams reparieren?
Nein, und das sollte auch niemand versprechen. Ein Teamevent stärkt Beziehungen, aber es klärt keine Strukturen.
Wenn in Ihrem Team Zuständigkeiten unklar sind, Konflikte seit Monaten höflich umschifft werden oder zwei Standorte nach einer Umstrukturierung nicht zueinanderfinden, dann hilft ein schöner Tag an der Leinwand zwar der Stimmung, aber nicht der Sache. Dafür gibt es ART.in.use., systemisches Teamcoaching mit künstlerischen Modulen. Wo die Grenze liegt, lesen Sie im Artikel Wann reicht ein Teamevent und wann braucht es mehr?
Für viele hybride Teams aber ist das Problem gar nicht kompliziert. Sie haben einfach noch nie gemeinsam etwas gemacht, das nicht auf einem Bildschirm stattfand. Das lässt sich ändern. Mit Farbe.
Häufige Fragen
Für welche Teamgrößen eignet sich ein kreatives Teamevent für hybride Teams?
Von kleinen Teams ab acht Personen bis zu Großgruppen mit mehreren hundert Teilnehmenden. Das Format wird an die Gruppengröße angepasst, siehe Kreativ XXL.
Lässt sich das Event in ein Jahrestreffen oder Offsite einbauen?
Ja. FIRMEN MALEN kommt mit dem kompletten Material zu Ihnen, ins Tagungshotel, in die Firmenhalle oder an einen anderen Ort, europaweit.
Müssen die Teilnehmenden malen können?
Nein. Wer schon einmal eine Wand gestrichen hat, ist überqualifiziert. Mehr dazu im Artikel „Wir können doch gar nicht malen“.
Weiterlesen
Quellenangaben
Dieser Artikel beruht auf eigener Praxiserfahrung aus über 300 Teamevents seit 2005. Zum Hintergrund von Synchronität und Vertrauen: Synchronität und Vertrauen: Warum gemeinsames Gestalten im Gleichtakt Teams verbindet.
Götz Friedewald ist Künstler, zertifizierter systemischer Coach und Kreativtrainer. Seit 2005 bringt er mit FIRMEN MALEN Teams an die Leinwand, seit 2026 begleitet er mit ART.in.use. Teams in Veränderung. Er lebt und arbeitet in München und weiß von den meisten seiner Videocall-Kontakte inzwischen, wie groß sie sind.

